Nach der
illegalen Bespitzelung von Telefonkunden rückt die Telekom gleich mit einem weiteren Datenskandal in den Vordergrund: Über 17 Millionen Kundendaten habe die Mobilfunktochter T-Mobile durch "erhebliche kriminelle Energie" verloren, berichtet der
Spiegel. Informationen wie Telefonnummer, Adresse, Geburtsdatum oder E-Mail befinden sich nun in den falschen Händen — die Regierung prüft die Gefährdung von Prominenten, die ebenfalls betroffen sind. Man darf sich zurecht fragen, ob private Daten bei den Unternehmen noch sicher sind?
T-Mobile hat weltweit ungefähr 125 Millionen Kunden, davon allein in Deutschland rund 34 Millionen, sodass mit dem aktuellen Datengau jeder zweite deutsche T-Mobile-Kunde betroffen sein dürfte. Allerdings sei der Diebstahl bereits 2006 erfolgt und kam erst jetzt an die Öffentlichkeit. Wer also wieder einmal Anrufe, Kurznachrichten oder unerwünschte Werbepost erhält, den braucht das nicht mehr zu überraschen.
Unklar ist, wie es zu einem derartigen Vorfall kommen kann. Dass der Schutz der Datenmengen eine der wichtigsten Aufgaben darstellt, um das Vertrauen der Kunden langfristig zu sichern, scheinen die Unternehmen noch nicht begriffen zu haben.
Unternehmen mit Datenschutz überfordert?
Besonders mit der Einführung der Vorratsdatenspeicherung, mit der Unternehmen nicht nur Adressen, sondern auch zahlreiche Verbindungsdaten verpflichtend für mindestens ein halbes Jahr speichern müssen, dürfte damit wieder einmal kritisch ins Gedächtnis zurückgerufen werden. Die fleißige Digitalisierung von Patientendaten, Steuerdaten und biometrischen Daten für die vermeintliche Steigerung von Sicherheit und Bequemlichkeit erscheint mit den wachsenden Kosten, die für den Schutz dieser riesigen Bestände nötig sind, unter einem ganz anderen Licht.
Bankdaten oder Versicherungsdaten sind weitere Informationen, bei denen man nur hoffen kann, dass sie nicht in falsche Hände geraten. Schon jetzt verdienen Unternehmen wie die Schufa Millionen duch Datenanalyse und Kundenbewertung. Klar, dass hier ein enormer Bedarf besteht, die Informationen zu erhalten und zu seinem wirtschaftlichen Nutzen auszuwerten.
Kritisch ist der schauderhafte Umgang mit Kundendaten vor allem deswegen, weil man sich kaum von der Sammelwut befreien kann. Bei jedem Einkauf und Vertragsabschluss landen neue Informationen in den Speichern von Banken, Telefonkonzernen und Versicherungen.
Wer meint, dass er nichts zu verbergen hat, sollte sich einmal Fragen, ob er wirklich sicher ist, immer ein faires Angebot zu erhalten? Kredite werden schon längst nach "Kundenrisiko" vergeben, Flugpreise abhängig vom Buchungstermin, Rabatte abhängig von der Höhe des zu erwartenden Umsatzes. Die Möglichkeiten sind unbeschränkt. Es wird endlich Zeit, dass die Menschen den wahren Wert ihrer Privatsphäre zu schätzen lernen.
[rl]