Der erwartete Boom um die Mini-Notebooks im unteren Preissegment lockt viele Hersteller auf den Markt, doch nicht alle wollen die Geräte auch selbst fertigen. Während ASUS mit seinem Eee PC praktisch den Grundstein für das Segment legte, dem weitere die MSI, Dell oder Acer folgten, buhlen nun auch Größen wie Sony oder LG Electronics um einen Platz an der Sonne. Demnach verhandelt der japanische Elektronik-Riese derzeit mit Foxconn über entsprechende Aufträge und Fertigungskapazitäten, während sich LG mit MSI an einen Tisch gesetzt hat. Im Gespräch sind auch weitere Namen wie Toshiba oder Fujitsu, die möglicherweise auf dem Markt Fuß fassen wollen. Doch bei allen Verlockungen handelt es sich im Billig-Segment um ein zweischneidiges Schwert.
So sind besonders die Hersteller der Notebooks wie MSI, ASUS oder Foxconn daran interessiert, ihre Kapazitäten möglichst gut auszulasten und hohe Volumina zu erreichen. Allein dadurch sind sie überhaupt in der Lage, die Teilepreise für die Geräte durch entsprechende Stückzahlen zu reduzieren und die Modelle so günstig anzubieten. Gleichzeitig muss natürlich ausreichend Luft geschaffen werden, um die hohen Kosten für die Maschinen und Anlagen zu decken. Das Risiko besteht hier darin, dass sich die Hersteller verschätzen. So könnten sie zu wenig Kapazitäten aufbauen und bei entsprechender Nachfrage nicht genug Volumen erreichen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass bei im entgegengesetzten Fall zu viele Kapazitäten brach liegen und die geringen Margen der Billig-Notebooks wieder auffressen.
Für die Markenanbieter, die sich die Geräte schließlich extern bei diesen Herstellern fertigen lassen, besteht neben der Frage nach der sinnvollsten Auftragszahl zusätzlich die Gefahr von Konkurrenzkampf innerhalb der eigenen Produkt-Palette. So bietet Sony zum Beispiel seit langer Zeit vergleichbare Notebooks mit deutlich höherwertiger Ausstattung zu wesentlich höheren Preisen an. Gleichzeitig könnten Kunden auf den Kauf größerer Notebooks mit ähnlichem Preis verzichten und stattdessen eher auf die Kleinstgeräte umschwenken.
Fujitsu hatte hier gegenüber der New York Times recht treffend geäußert, was wohl viele denken: Man könne bei den Mini-Notebooks derzeit nichts gewinnen, weil die Gewinnmargen viel zu niedrig sind.
Das Problem der Hersteller dürfte also auch darin bestehen, entweder mit voller Kraft einzusteigen und genug Umsatz zu generieren oder gleich die Finger davon zu lassen und der Gefahr von teuren Fehlschlägen aus dem Weg zu gehen. Ein vergleichbares Bild kann man bereits seit einigen Jahren am Markt für Desktop-Computer beobachten, an dem praktisch nur noch die Branchengrößten profitabel Wachsen, während kleinere Konkurrenten knapp stets knapp an Gewinn-Schwelle nagen.
[rl]