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 Phenom das Problemkind? Nicht Energie-effizient, nicht kompatibel und nur für Enthusiasten?

Prozessoren | 02.05.2008, 12:04
Der AMD Phenom ist kein neues Kind, allerdings inzwischen schon ein sehr gescholtenes. Im November 2007 hatte AMD seine K10-Variante für den Desktop-Bereich vorgestellt und danach folgte erst einmal nur noch Ärger. Noch am gleichen Tag gab es Informationen über CPU-Fehler, angekündigte Modelle mit 2,4 GHz Takt blieben aus, Leistungstechnisch musste man sich weiterhin hinter einem "nicht nativen" Quad-Core-Prozessor von Intel einfinden. Gestern erst berichteten wir, dass es aktuell Probleme geben könnte, die neuen AMD Phenom - natürlich im fehlerbereinigten Stepping - in üblichen Motherboards zu betreiben. Grund dafür ist die Thermal Design Power - die maximale Peak-Power, welche diese CPUs liefern können und auf welche nicht nur die Kühlung, vielmehr natürlich auch die Spannungsversorgung auf den Mainboards ausgelegt sein muss. Und an der Stelle ist nicht nur ein Manko bei möglichen 140 Watt-Modellen, die kommen könnten, sondern auch bei den aktuellen 125 Watt CPUs, wie sie aktuell von AMD vertrieben werden. Und dass es beim Kompatibilitäts-König AMD nun zu Ausfällen kommen könnte, daran ist nicht AMD schuld, daran ist aus Sicht eines AMD-Sprechers der Anwender schuld.

Seit Jahren kann AMD sich wirklich auf die Fahnen schreiben im Bereich der Kompatibilität alles zu tun, was dem Endkunden nur zugute kommt. Während es bei Intel immer wieder zu neuen Sockeln bei Einführung neuer Prozessoren kommt, so zeigte sich AMD abwärtskompatibel. Ein BIOS-Update genügte zumeist. Die Zeiten ändern sich aber scheinbar und AMD mag sich das nicht offiziell eingestehen. Grund dafür ist der Umstand, dass die "notwendigen" Taktratensteigerungen bei den AMD Phenom CPUs auch höhere TDP-Nennungen mit sich bringen. Der Punkt scheint weniger zu sein, dass AMD mit ihren neuen CPUs nicht mehr im Bereich Energie-effizient einzugruppieren ist, als vielmehr der Umstand, dass man sich Probleme auf diesem Bereich nicht eingestehen will.

Die jüngst vorgestellten Plattformen mit 780-Chipsätzen von AMD und offenbar nur wenige der Top-Plattformen 790 sind in der Lage mit 125 Watt-CPUs umgehen zu können. Einen Enthusiasten-Prozessor, so wie AMD das wohl bezeichnet, mit der Nennung Phenom X4 9950 und lediglich 2,6 GHz Takt, kann kaum eines der aktuell verfügbaren Motherboards umsetzen. Was kann der Endkunde dafür? Nichts, und an diesem Punkt überdenkt der Hersteller wohl aktuell, ob man hier im Bereich Takt nachlegen sollte. Aber was ist akut, wie sieht es aktuell aus? Aktuell sind die 780er Plattformen ganz offensichtlich nicht im Ansatz auf 125 Watt TDP ausgelegt. Vielmehr haben sich die Mainbaordhersteller im vergangenen Jahr bei ihren Designs an AMD-Prognosen angelehnt. Da AMD Vorreiter von Energie-effizienten CPUs war und die Nennung der Phenom-CPUs zu Beginn sich offenbar auf 95 Watt TDP ausgerichtet hat, haben aktuelle Anwender dieser Plattformen "Kompatibilitätsprobleme".

Und Schuld scheint der Anwender, glaubt man der CNet-Ausführung, die Jake Whiteman, einen AMD-Sprecher zitiert:


What people have done, mistakenly, is paired a 780G (chipset-based) motherboard with the higher frequency Phenom--the 125-watt Phenom



Ja, das haben die Anwender wohl falsch verstanden. Man kann, nach Jahren der Upgrade-Fähigkeit von AMD-Plattformen nun nicht mehr wirklch erwarten, dass dies - trotz propagierter BIOS-Updates - noch funktioniert. Natürlich, der Anwender hätte dies wissen müssen, obgleich die AMD-Marketing-Maschine nicht auf die mangelnde Kompatibilität hinwies. Wir wollen nicht zu hart sein, AMD hat sich wohl unglücklich ausgedrückt. Sicher ist an diesem Punkt nicht der Anwender schuld, vielmehr hätten doch die Mainbaord-Hersteller darauf hinweisen müssen, dass es hier zu Problemen kommen kann. Aber waren die nicht seit Monaten dazu verdonnert BIOS-Updates für ihre - auch betagten - Motherboards zu schreiben? Könnte es vielleicht möglich sein, dass AMD im Jahr 2007 - nicht erst bei der Vorstellung im November - vergaß die Mainboard-Hersteller zu informieren, dass ein Phenom X4 möglicherweise mehr als 95 Watt TDP verlangt? Könnte es sein, dass der "EE-Guru" vergaß darauf hinzuweisen, dass nicht nur wirkliche Enthusiasten-CPUs, sondern auch "Mainstream-Prozessoren" plötzlich 125 Watt oder gar 140 Watt TDP-Nennungen besitzen könnten? Könnte AMD vielleicht nicht selbst davon überrascht worden sein und hat neben einem TLB-Fehler und fehlenden Taktsteigerungsmöglichkeiten einen Phenom 9700 mit 2,4 GHz Takt verschoben? Schadensbegrenzung?

Wer weiß das schon? Die versammelte Mannschaft um Hector Ruiz wird schon gewusst haben, was sie da tat, das Statement von Jake Whitemann ist aber eher ein Schlag ins Gesicht der zuversichtlichen AMD-Anwender und kommt der aktuellen Lage des Herstellers sicher nicht entgegen. Mag man vielleicht nun doch noch ein paar Monate warten bis der K10 in 45nm-Fertigung erscheint. Dann könnte man sich zwar knapp 12 Monate hinter dem ursprünglichen Einführungsdatum befinden, doch vielleicht ist man dann in der Lage die Upgrade-Versprechen einzulösen. Vielleicht ist man auch dann wieder in der Lage von Energie-effizienten Prozessoren zu sprechen.
[pg]




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