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 Geschäftskunden überlassen Privatanwendern das Testfeld für neue Technik

Wirtschaft | 12.06.2007, 22:12
In einem Interview mit dem Produkt-Manager Christoph Kaub von Dell zeigt sich die deutliche Zurückhaltung professioneller Anwender gegenüber neuen Technologien. "Never change a running system" stellt dort noch immer oberstes Gebot dar und sorgt insbesondere bei der Einführung neuer Technologien für lange Integrationsphasen. So setzen die Kunden von Dell zum Beispiel noch immer auf die traditionelle VGA-Schnittstelle, weil der Anschluss für die Präsentation beim Kunden meist über diesen Port erfolgt. Gleichzeitig wird auf potenzielle Störquellen wie etwa die Virtualisierung liebend gern verzichtet, weil die Unterstützung von AMD und Intel noch zu unterschiedlich ist. Auch Preisfragen stellen bei diesem Kundentyp ein größeres Hindernis dar als bei Privatkunden, die eher mal einige Euro für neuere Technologien investieren.

Diese Erfahrungen sollten den meisten zwar ohnehin bekannt sein, doch lassen sie sich an Dells Business-Notebooks der Latitude-Serie auch noch einmal deutlich in der Praxis nachweisen. So rechnet Dell zum Beispiel erst ab 2008 mit breiterem Einsatz von Flash-Laufwerken. Sie sind zwar bisher besonders bei robusten Notebooks im Außeneinsatz gefragt, doch scheuen andere Kunden die extrem hohen Kosten. Auch neue Display-Technologien werden aufgrund höherer Preise erst deutlich später eingesetzt. Ebenso zeigt sich der Trend zu mehr Arbeitsspeicher, um die Notebooks für Windows Vista sattelfest zu machen.

Grund für die Zurückhaltung beim Preis sind die teils erheblichen Stückzahlen bei der Anschaffung, die schon bei geringen Mehrpreisen deutliche zusätzliche Kosten verursachen würden. Die ausführlichen Tests der Unternehmen vor der Neuanschaffung erfordern ebenfalls zeitlichen Vorlauf und lassen aus diesem Grund nur eine gemächliche Umstellung auf aktuelle Technologien zu. Sie sind deutlich kritischer, was Fehler an Systemen und Software anbelangt, weil die IT-Infrastruktur existenziell für den Erfolg des Unternehmens geworden ist.

Im Ergebnis sehen sich Privatanwender häufiger mit unfertiger Software und Hardware konfrontiert, während professionelle Nutzer hier weniger Kompromisse eingehen. So könnte man faktisch den privaten Kunden als Beta-Tester für den Ernstfall auffassen. Natürlich muss hier die Frage gestellt werden, wie weit er sich freiwillig in diese Lage begibt. Der regelmäßige Ruf nach neuer Technik und Funktionalität, den sich die Hersteller durch teure Premium-Highend-Produkte bezahlen lassen, kommt nicht selten von dieser Seite. Während auf Funktionsumfang und Preis geschaut wird, kommen Stabilität und Qualität häufig zu kurz, obwohl sie den wahren Nutzen teilweise erheblich einschränken. Man kauft folglich ein Auto mit drei Rädern und lässt sich das vierte Rad erst später per Update nachliefern, wenn sich genug beschwert haben. Mit etwas Pech, bezahlt man dafür dann sogar noch extra.
[rl]

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